Hochschwab – Rambos Dornröschen

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Hochschwab – Rambos Dornröschen

“To survive a war, you gotta become war” – John Rambo

Für einen Krieg wollen wir uns an diesem schönen Tag zwar nicht rüsten, denn die Route hat ja glücklicherweise noch einen völlig harmlosen Beinamen. Kaum treffender könnte eine Route benamst werden. Sie ist dabei so wunderschön als hätte sie vom Lindner Rudolf höchstpersönlich entdeckt werden können und gleichzeitig äußerst brachial, da man doch immer weit über den letzten Haken hinaussteigen muss. Die Absicherung ist dank einer später erfolgten Sanierung zwar gut, doch sollte man schon wissen worauf man sich einlässt. Die Möglichkeiten Zwischensicherungen unterzubringen sind eher spärlich und ich persönlich verfolge die Devise, bevor ich die Zeit vergeude um einen Keil hinter eine brüchige Schuppe zu klemmen, steige ich gleich ohne weiter.

Herbst am Hochschwab

Nachdem der Großteil der Hütten bereits zugesperrt hat ist Ruhe eingekehrt in den Weiten des Hochplateaus. Als ich mich mit Baugi frühmorgens am Parkplatz des Bodenbauers treffe, begrüßen uns Zinken, Stangenwand und Beilstein mit einem leuchtenden Morgenrot. Wir schreiben bereits den 11. November und vom Winter ist keine Spur. Es herrscht eine Inversionswetterlage, die dem alpin eingestellten Herbstkletterer beim Betrachten des Wetterberichtes ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Der Tag scheint perfekt zu werden. Ungetrübter blauer Himmel, Herbstsonne und kaum Wind sind die Hauptzutaten für eine schöne Zeit in der Südwand des Monarchen.

Auf zur Sun

Nachdem wir das Kältebecken des Trawiestales hinter uns gelassen haben, wird es mit jedem Höhenmeter angenehmer bis wir kurz vor Erreichen des Ghacktbrunns die weiße Plattenschönheit der Hochschwab Südwand zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Egal wie oft ich auch in diese Gegend komme, beim Anblick dieser schönen Wand macht mein Herz jedes Mal einen kleinen Freudensprung. Viele schöne Stunden in unzähligen Routen durfte ich hier verbringen. Ein besonderes Schmankerl haben wir uns für heute aufgehoben. Schon lange steht “Rambos Dornröschen” auf meiner Wunschliste, doch durch die Zerrissenheit des Alltags und die Schnelllebigkeit unserer Zeit schob ich das Projekt auf die lange Bank. Nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass Partner für solche Unternehmungen in der heutigen, auf puren Konsum ausgelegten Kletterwelt rar gesät sind. Für die Plastikkinder der heutigen Zeit unvorstellbar, dass man mehrere Stunden Zu- und Abstieg für vergleichsweise wenige Klettermeter in Kauf nimmt. Uns soll das jedoch am heutigen Tage recht sein und so haben wir die gesamte Wand ganz für uns alleine.

Schön und wild

Die Vorfreude endlich Hand an den warmen Fels legen zu dürfen wächst zunehmendes. Wir überwinden ein kurzes Altschneefeld, welches selbst den heißen Temperaturen des heurigen Sommers standhielt und stehen bald bei einer bröseligen Sanduhrschlinge mit einer Blechtafel, welche den Einstieg kennzeichnet. Der erste Bohrhaken ist nicht zu sehen, doch die Linie ist klar erkennbar. Baugi steigt den wasserzerfressenen, schwarzen Riss souverän vor bis er nach 45m den Stand unter einem Überhang erreicht. Die nächste Seillänge präsentiert sich dankenswerter Weise trocken und durch kurzes Höhersteigen in der zurücklehnenden Verschneidung ist auch diese rasch überwunden. Ab dann geht es im wunderschönen plattigen, weißen Hochgebirgskalk weiter. Fast entrückt fühlen wir uns in dieser unberührten Gebirgslandschaft, in welcher wir keine weitere Seilschaften wahrnehmen. Die Schwierigkeiten übersteigen dabei den 6. Grad nicht. Die Seillängen sind jedoch sehr abwechslungsreich und mahnen einen immer wieder mit längeren Runouts zum Aufmerksam sein. Ein persönliches Highlight ist die wasserzerfressene Runse im oberen Wandviertel. Diese ist zwar wunderschön zu klettern, aber das Herzerl schlägt aufgrund des brachialen Hakenabstandes doch etwas schneller als normal. Glücklich am Stand angekommen zu sein, überwinden wir die letzten leichten Klettermeter hin zum Ausstieg knapp unterhalb des Hochschwabgipfels. Auch hier finden sich noch weitere schöne Plattenmeter im gemäßigten Schwierigkeitsgrad.

Ein gelungenes Tagerl

Oben angekommen setzten wir uns auf ein weiches Grasbüschel und genießen die Ruhe und Unendlichkeit des Schwobenmassivs. Am liebsten würde ich überhaupt hier oben bleiben in dieser friedlichen Gebirgswelt. Nach einem Speckbrot und ein paar Schlucken Wasser machen wir uns wieder übers Ghackte auf den Heimweg. Am Fleischerbiwak entfernen wir im Vorbeigehen einen Aufkleber einer politischen Gruppierung. Äußerst bedenklich, dass hier versucht wurde eine solch friedliche Welt mit einem kleingeistigen Gedankengut zu verseuchen und dabei das engstirnige, urban erlernte Denken in die Berge zu tragen. Nach einem kurzen innerlichen Kopfschütteln, welches uns den Tag jedoch nicht im Geringsten trübt, geht es für uns dann in der warmen Herbstsonne retour zum Bodenbauer, wo wir den Tag bei einem Bratl und einem Bier ausklingen lassen.

Hard Facts

  • Gebirge: Hochschwab
  • Route: Rambos Dornröschen
  • Schwierigkeit: VI
  • Wandhöhe: 345m
  • Erstbegeher: F.Schabelreiter und H. Repolusk 1985 (Sanierung 2005)
By |2019-11-11T15:03:58+01:00November 11th, 2018|Hochschwab, Klettern|