Stadelstein Ski&Fly

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Stadelstein Ski&Fly

In kalten Katakomben

In Zeiten wie diesen wird einem schon etwas mulmig. Man liest wie sich Einzelpersonen von Rettungsorganisationen medial als Richter und Henker zugleich positionieren oder der verbitterte Hüttenwirt den so titulierten “Selbstmördern” öffentlich den Tod wünscht und dabei noch haufenweise positive Reaktionen erntet. Da kommt man schon ins Grübeln welchen Charakteren man im Gebirge begegnet und welch hässliche Fratzen der Verbitterung sich hinter den Computerbildschirmen und Handydisplays verbergen.

“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten” – Oscar Wilde

Flugwetter

Doch heute ist Flugwetter und da lässt man die Gehässigen ruhigen Gewissens gehässig sein. Im Mondschein starte ich um halb 6 am menschenleeren Parkplatz in der Lassitzen. Der Pulverschnee glitzert im Schein der Stirnlampe und die Felle knirschen ob der klirrenden Kälte bei jedem Schritt. Die Aufstiegsspur ist zwar alles andere als organisch, doch folge ich ihr trotzdem im meditativen Trott bis zum Nebelkreuz. Immer wieder rascheln stärkere Böen in das schneebedeckte Nadelholz und lassen erste Zweifel aufkommen, ob sich ein morgendliches Flügerl ausgehen wird.

Ab dem Nebelkreuz endet die Aufstiegsspur. Geht es einem lediglich um den Fahrtgenuss sind die anschließenden 300hm ohnehin nicht gerade lohnend. Die staubige Pulverdecke wechselt zu einem griffigen kompakten Windharschdeckel. Gemütlich geht es weiter dem Gipfel entgegen. Der Mond ist bereits untergegangen und die Vorboten der Sonne tauchen die Landschaft in ein wunderschönes bläuliches Licht. Am Gipfel wird einmal kurz in alle Himmelsrichtungen geschaut und die wohlbekannte Bergwelt genossen. Im sekundentakt ändern sich die Lichtstimmungen und ich beginne mir ein Platzerl für meinen Gleitschirm zu suchen. Dies erweist sich als gar nicht so einfach. Die bis zu 15km/h starken nordwestlichen Böen und die mit Eisknollen übersähte NW-Flanke vereinfachen die Startplatzsuche nicht gerade. Unterhalb des Speikkogels finde ich jedoch einen idealen Startplatz mit angewehtem Pulverschnee.

Abgleiter

Der Gleitschirm ist rasch aufgelegt und mit Pulverschnee beschwert und wenig später gleite ich in ruhiger Morgenluft dem Landeplatz in der Lassitzen entgegen. Trotz der klirrenden Kälte kann ich mir ein Grinsen der puren Lebenslust nicht unterdrücken. Am Landeplatz haben sich bereits einige Tourengeher eingefunden und mit der Ruhe an den Modebergen der Eisenerzer Ramsau ist es wohl vorbei für heute. Nicht traurig darüber, von diesem Trubel nichts weiter mitzubekommen begebe ich mich auf den Heimweg und lasse die Erlebnisse mit einer Tasse Kaffee Revue passieren.

By |2019-03-04T09:58:37+01:00Januar 20th, 2019|Eisenerzer Alpen, Hike And Fly, Schitouren|